Analog #3: Eine neue Lichtdichtung für die Mamiya C220, Part 2


Nachdem ich im ersten Teil bereits erklärt habe was eine Lichtdichtung ist, wofür man sie braucht und warum sie von Zeit zu Zeit ausgetauscht werden muss, geht es diesmal mit dem eigentlichen Einbau weiter.

 

Eigentlich ist der Wechsel einer Lichtdichtung trivial. Alte Dichtung raus, neue Dichtung rein - fertig.
Je nach Aufbau der Kamera ist dies aber eine echt eklige Fummelarbeit und für feinmotorisch minder begabte Individuen wie mich einfacher gesagt als getan.

Schritt 1: Bestandsaufnahme

Sprechen wir zunächst über die "Zutatenliste".
Benötigt wird eine neue Moosgummidichtung. Natürlich besorgt man sich nun kein Moosgummi aus dem Bastelgeschäft und schmiert dies mit Bastelkleber in die Kamera. Man kauft eine spezielle Dichtung, die rückseitig selbstklebend ist. Für wenig Geld sind diese entweder bereits als fertiger Dichtungssatz zugeschnitten für verschiedene Kameramodelle in der elektronischen Bucht zu bekommen oder als Fugendichtband/Bogen für Selbstzuschnitt. Ich habe mich für letzteres entschieden. Der offizielle Name ist natürlich nicht "Moosgummidichtung" sondern "EPDM Zellkautschuk". Fraglich war für mich zunächst welche Materialstärke ich benötige. Mit dem Messschieber konnte ich die Stärke der alten Dichtung noch ungefähr auf 2 mm abschätzen.

 

Weiterhin braucht man ein wenig Werkzeug um die alte Dichtung aus dem Gehäuse zu kratzen, die restlichen Krümel "auszufegen" und alte Klebreste zu entfernen. Ein Kunststoffspatel Marke MacGyver, ein paar Wattestäbchen, etwas Isopropanol, eine Zahnbürste und ein Blasebalg haben bei mir gute Dienste geleistet.


Schritt 2: Vorbereitung der Ersatzteile...

Bevor es nun aber wirklich handwerklich los geht sollte man zunächst einmal einen Blick auf die Reste der alten Dichtung werfen um zu sehen wo später auch wirklich welche Dichtung zu liegen kommen soll und wie breit sie ungefähr sein muss. Ein Messschieber ist hierfür hilfreich.


Innerhalb der Mamiya findet sich eine Dichtung im Scharnierbereich von ungefähr 15 mm Breite. Hinzu kommt ein dünner umlaufender Streifen von ungefähr zwei Millimeter Breite. Mit einem festen Anschlag (in meinem Fall eine Aluminiumschiene), einem Messschieber und einem Scharfen Cutter-Messer werden nun aus dem Dichtungsbogen passende Streifen zugeschnitten.


Schritt 3: Alte Dichtung entfernen...

Zunächst muss die alte Dichtung entfernt werden - so weit so offensichtlich. Die alte Dichtung ist bröselig geworden und lässt sich einfach aus dem Rückteil der Kamera herauskratzen. Logischerweise macht man dies nicht mit einem Schraubendreher oder einem andere Kratzeisen, welches das gesamte Rückteil vernarbt. Aus Ermangelung anderer Werkzeuge fiel meine Wahl auf einen Kabelbinder, den ich zuvor mit einem Seitenschneider köpfte und anschließend mit einer Kombinationszange leicht platt drückte. Dadurch entsteht ein ca. 2mm breiter, weicher Kunststoffspatel. Mit diesem kommt man gut in alle Ecken und Fugen und richtet keinen Schaden an der Kamera an.
Das Auskratzen der alten Dichtung geht gut von der Hand.


Nachdem die groben Bestandteile ausgekratzt sind, wird feiner nachgearbeitet. Mit einem Blasebalg und einer Zahnbürste werden kleine Partikel aus den Fugen ausgekehrt. Wichtig dabei ist, immer darauf zu achten, dass keine Partikel in das innere der offenen Kamera gelangen. Also immer vom Kamerakörper wegarbeiten und diesen zusätzlich abdecken.

Zuletzt werden nun noch letzte Staub- und Klebereste feucht abgewischt. Dazu verwendet man Wattestäbchen und Isopropanol.


Schritt 4: Neue Dichtungsstreifen einkleben

Wie nicht anders zu erwarten müssen nun noch die zuvor zugeschnittenen Dichtungsstreifen in das Kameragehäuse eingeklebt werden.
Angefangen habe ich mit den beiden dünnen Streifen längs des Rückteils und zwar von der gebogenen Kontur am Scharnier hin zur oberen Kante des Schließmechanismus. Zunächst habe ich den Streifen einmal angehalten, bevor ich die Folie auf der klebenden Seite entfernt habe. So konnte ich die Länge des Dichtungsstreifens perfekt auf das Kameragehäuse anpassen.
Die selbstklebende Dichtung muss fest angedrückt werden um gut zu halten. Je besser die vorherige Reinigung der Oberfläche war (insbesondere von Staub), desto besser ist die Haftung. Leider ist auf dem Rückteil eine federgelagerte Platte angebracht, welche als Projektionsrückwand für den Rollfilm dient. Dies erschwert den Einbau der Dichtung ein wenig, da ein Andrücken mit bloßen Händen so nicht möglich ist.

Den oben beschriebenen Kunststoffspatel habe ich noch einmal ein Stück gekürzt um wieder mit einem sauberen Werkzeug arbeiten zu können, das nicht von alten Dichtungsresten verklebt ist. Damit ließ sich das Andrücken auch in der dünnen Fugenkontur gut realisieren. Selbige Vorgehensweise wurde für den dünnen Streifen am oberen Schließmechanismus verwendet. Zuletzt wurde dann die dicke Dichtung im Scharnierbereich eingeklebt.


Abschließend folgte eine Sichtprüfung auf Dichtheit.
Dazu habe ich den Raum abgedunkelt, das Kamerarückteil geschlossen, das Objektiv auf der Frontseite entfernt und bin mit einer hellen Taschenlampe die Konturen des Rückteils entlang gefahren. Einen Einfall von Fremdlicht in das Kamerainnere konnte ich nicht erkennen.

Bei der Mamiya C220 fällt der Einbau einer neuen Dichtung wie gezeigt recht einfach. Je nach konkretem Aufbau der analogen Kamera kann dies auch deutlich schwieriger werden durch komplexere Dichtungskonturen. Alles in allem ist dies aber kein Hexenwerk. Dennoch sollte man dabei gewissenhaft vorgehen. Bei mir hat das ganze Unterfangen etwas über eine Stunde Zeit in Anspruch genommen.

Ich freue mich schon auf meinen nächsten Film.
Eine weitere Sache habe ich dabei auch noch gelernt - zukünftig werde ich meinen Film, nach Möglichkeit, daheim einlegen in staubarmer Umgebung und zuvor das Kameragehäuse noch einmal auspusten und auswischen. Auf meinem letzten Film waren einige Krümelchen zu erkennen...

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